Grüne Kahl

Ortsverband

 Kerstin Celina, grüne Landtagsabgeordnete für Unterfranken, kann ein umfangreiches Anfragenpaket für die bayerische Staatsregierung schnüren: gemeinsam mit Vertretern der Ortsverbände von Bündnis 90/ Die GRÜNEN besuchte sie am 28. August die Rathäuser der beiden vom schweren Unwetter geschädigten Kommunen Alzenau und Kahl.

Außerdem standen der Besuch von Obstplantagen und dem Weinberg „Michelbacher Apostelgarten“ sowie mehrere Exkursionen in die umliegenden Wälder auf dem Programm. Die Betreiber der Alzenauer „Erdbeerranch“ Werner und Herbert Höfler, sowie der Michelbacher Winzer Johannes Höfler hatten konkrete Vorschläge, wie mit den finanziellen Ausfällen, die für ihre Betriebe entstehen, umzugehen sei. Als Unternehmer möchten sie sich gerne selbst in der Lage sehen, für solche Ernteeinbußen - in dieser schwerwiegenden Situation auch Totalausfälle - Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Statt einen Schadensausgleich nach dem „Gießkannenprinzip“ fordern sie die Möglichkeit, steuerbefreite Risikorücklagen bilden zu können. Die sogenannte Gewinnglättung, also das für land- und forstwirtschaftliche Betriebe geltende Instrument, über einen Zeitraum von drei Jahren das Risiko steuerlich auszugleichen, sei nicht ausreichend. Eine Ausweitung dieses Zeitraumes könne jedoch ein Schritt in die richtige Richtung sein. Ansonsten sei man in der Region gut vernetzt: so können die Winzer auf die Unterstützung ihrer Kollegen hoffen und werden mit Trauben versorgt, welche sie dann keltern und entsprechend vermarkten können.


Bernd Handlbichler, Leiter der Abteilung Umwelt und Forsten in Alzenau, zeigte unterschiedliche Wege, wie die Wälder wieder aufgeforstet werden können. Er beschrieb den optimalen Wald als ein „gut gemischtes Warenlager“. Entsprechend gäbe es Reviere, die man sich selbst überlassen müsse, in anderen Bereichen jedoch, vor allem jenen, auf denen bisher Monokulturen gepflegt wurden, werde man auch mit nichtheimischen Bäumen wie Roteiche und Edelkastanie experimentieren. Einige aussichtsreiche Versuche dazu gab es bereits auf einem Versuchsacker bei Albstadt. Nadelbäumen wie Kiefer und Douglasie räumt Handlbichler weniger Chancen ein. Außerdem habe sich die Temperatur in Alzenau im Mittel schneller als in anderen Regionen erwärmt. Doch vor der Wiederaufforstung stehen die Aufräumarbeiten: ein Jahr wird es mindestens dauern, bis die Holzmasse entfernt ist und auch dann werde man sich vorerst bei Neuanpflanzungen zurückhalten. Dann wird nämlich erst einmal abgewartet, wie sich die Maikäferpopulation entwickelt hat. Alzenau ist mit einer Waldfläche von rund 2.700 Hektar viertgrößter kommunaler Waldbesitzer in Bayern. Oberstes Ziel sei die Walderhaltung, die wirtschaftliche Nutzung stehe hinter der ökologischen Funktion, so Handlbichler.

In den Rathäusern dagegen hat man zur Zeit noch andere Sorgen. Hier stehen die Aufräumarbeiten auf kommunalen Flächen - in Kahl sind dies vor allem das Campingseegelände sowie der Waldfriedhof - sowie die Unterstützung Hilfebedürftiger und der Vereine im Vordergrund. „Keine Gemeinde wird mit ihrem Haushalt diese Kosten stemmen können.“, so Andreas Oberle, Geschäftsführer der Gemeinde Kahl. Kerstin Celina wird auch hier entsprechende Anfragen an die Staatsregierung stellen und sie an ihre Verantwortung gegenüber der Region Untermain erinnern: "Die Folgen einer seit Jahrzehnten verschleppten Klimaschutzpolitik zeigen sich jetzt drastisch auch in unserer Region, wo Trockenheit, Schädlingsbefall, Hitze und die immer häufiger werdenden extremen Wetterereignisse einen immensen Schaden verursacht haben. Die Staatsregierung darf die Region jetzt nicht alleine lassen mit der Schadensbeseitigung, und muss endlich massiv in Klimaschutz und Wiederaufforstung investieren."

Regina Krebs

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